Gasthof Falken, Zürich Wiedikon

Gasthof Falken, Zürich Wiedikon

9. November 2021 0 Von Jenny

Den Gasthof Falken kannte ich noch als italienisches Restaurant – den Falcone. Jetzt aber, als Falken, hatte ich es noch nie erlebt. Umso gespannter war ich auf die Metzgete.

Schon beim ersten Schritt ins Lokal fühlte ich mich wohl. Lautes, fröhliches Stimmgewirr, gemütliches Interieur und der unverkennbare Duft einer Metzgete. Ich war gespannt.

Eine der Fragen bei einer Metzgete ist ja immer, was denn angeboten wird. Nicht nur die Auswahl der Speisen, sondern auch die Präsentation. Einzeln bestellbar? Buffet? Schlachtplatten?

Das Team des Falkens hatte sich für einen anderen Weg entschieden: Fünf verschiedene Teller mit einer jeweiligen Zusammenstellung der Speisen, ergänzt durch Blutwurst, Leberwurst, Schweinswurst und den Beilagen. Zusätzlich wurden direkt aus den Pfännli noch Kalbsleberli, Nierli und – darauf freute ich mich besonders – Hirn serviert.

Bauch, Ravioli, Rippli und Schnörrli

Zum Start entschied ich mich für den Teller «Kreis 3» mit Blutwurstravioli, Schweinebauch, Rippli und knusprigen Schnörrli. Dazu bestellte ich noch eine Leberwurst. Es dauerte nicht lange und der hübsch angerichtete Teller stand vor mir. Die Leberwurst platzierte ich vom separaten Schäleli direkt auf dem Teller, schoss das obligatorische Foto und ergriff das Besteck.

Ich startete mit der Blutwurstravioli. Sie war wunderbar al dente gekocht, hatte den gewissen Biss. Die Füllung war für meinen Geschmack etwas zu sanft. Nicht fade, überhaupt nicht, aber als Blutwurst-Aficionado hätte diese durchaus prägnanter sein dürfen. Für jemanden, der aber kein besonderer Fan dieser wunderbaren Wurst ist, wäre die Ravioli eine sehr sanfte Probiermöglichkeit.

Das Rippli wurde auf einem Bett aus Lauch serviert. Beides zusammen harmonierte sehr gut. Das Rippli war auch wunderbar salzig-würzig im Geschmack, für mein Empfinden aber ein Mü zu trocken.

Dafür war der Schweinebauch perfekt getroffen und zusammen mit der Hoissinsauce und dem Kabis-Kimchi für mich ein Gaumenschmaus. Eine wunderbare Kombination von Salz, Säure und Würze.

Vom Schnörrli waren nur zwei kleinere, dafür wunderbare krosse Stücke auf dem Teller. Anders als in der «traditionellen» servierweise war es in der Konsistenz nicht gummig und auch vom Geschmack her schön spannend. Zusammen mit den roten Zwiebeln genau das, was mir an der leicht moderneren Interpretation der Metzgete so viel Freude bereitet.

Kalbsleberli & Leberwurst

Die angebotenen Teller selber sind schon sehr abwechslungsreich und bieten ein breites Angebot. Und doch liess ich es mir nicht nehmen, auch von den zusätzlichen Optionen zu probieren.

Zuerst griff ich bei den Kalbsleberli zu. Schön würzig im Geschmack, ohne jedoch von der Leber ablenken zu wollen. So mag ich das! Leider waren sie aber etwas trocken. Etwas später erhielt ich aber nochmals ein paar Stücke und die waren perfekt getroffen.

Und dann, Last but not Least, gab es noch die Leberwurst. Diese war wunderschön körnig und schön cremig, ohne dabei aber schleimig zu wirken. Auch traf sie meinen Geschmack, auch wenn sie einen Tick zu salzig war.

Wer meint, ich sei damit bereits am Ende meiner Schlemmerei, der liegt falsch. Einen Teller hatte ich noch vor mir… 😊

Bäggli, Terrine, Schüfeli und Saucisson

Um möglichst viel vom Angebot zu probieren, wählte ich den Teller ohne Überschneidungen: De Zoifter. Und auch hier machte ich vom erweiterten Angebot Gebrauch und bestellte dazu noch eine Blutwurst. Die freundliche Frage nach Beilagen musste ich jedoch dankend ablehnen. Ich wachse nun mal nicht mehr…

Ich startete also mit dem Schweinskopf-Bäggli welches geschmort und mit Portwein-Jus serviert wurde. Definitiv nach meinem Geschmack und auch die leichte Faserigkeit des Fleisches störte überhaupt nicht. Für den gewissen Biss sorgten dabei die Röstzwiebeln.

Schweinekopf-Bäggli, Schüfeli, Leber-Terrine und Saucisson

Weiter ging es mit dem «Schüfeli». Wie auch schon das Rippli war dieses Stück wunderbar würzig. Insbesondere spannend fand ich die Birnen-Crème dazu, welche der Speise noch einen Süssen Touch verlieh. Zudem war es so zart gekocht, dass ich es wohl auch mit zwei Gabeln hätte essen können.

So langsam merkte ich, wie mein Bauch zu spannen begann, ans Aufhören dachte ich aber nicht. Der Waadtländer Saucisson wurde erneut auf dem Bett aus Lauch serviert. Hier hatte ich fast mehr Freude am Lauch als an der Wurst. Was aber mehr daran liegt, dass ich für ein Saucisson nicht besonders weit laufen würde und der Lauch wirklich sehr fein war. Und anscheinend soll etwas Gemüse ja auch gesund sein 😉

Die Leberterrine wurde – bei meinen zwei Tellern – als einziges kalt serviert. Dazu kam ein Klecks herrlich erfrischendes Apfelmus und die gepickelten Zwiebeln, die ich schon vom Schnörrli kannte. Beides interessante Ergänzungen, welche den deutlichen Lebergeschmack der Terrine perfekt ergänzten.

Blutwurst & Hirn

Bei der Blutwurst wünschte ich mir zum ersten Mal an diesem Abend ein etwas schärferes Messer. Aber janu, so musste ich halt mit dem zur Verfügung gestellten Werkzeug arbeiten. Nach dem ersten Schnitt fiel mir vor allem der Zimtduft auf. Ja ist denn schon Weihnachten?

Beim ersten Bissen war die Wurst leider etwas trocken. Das kann auch auch daran liegen, dass ich sie doch schon einen Moment auf dem Teller liegen hatte. Dennoch schade. Weiter gegen die Mitte der Wurst wurde die Konsistenz aber deutlich besser. Interessanterweise schmeckte ich bei der Verkostung mehr Pfeffer als Zimt.

Blutwurst im Gasthof Falken
Gast

Und dann wartete ich noch auf das Hirn. Auf meine Nachfrage beim Herr vom Servierpersonal erfuhr ich, dass wohl alle auf Hirn warten. Ob er sich der Situationskomik bewusst war, vergass ich aber zu fragen. Und als ich wenige Minuten später etwas Hirn auf dem Teller hatte, konzentrierte ich mich lieber darauf. Von der Konsistenz war es das, was man sich bei Hirn vorstellt. Sehr weich, leicht glibberig. Ein bisschen erinnerte es mich an Markbein. Der Geschmack? Den kann ich auch nach viel Nachdenken immer noch nicht beschreiben. Sicher bin ich mir inzwischen bei «penetrant». Und ja, ihr ahnt es, Hirn nutze ich lieber als ich es Esse. Was davon erfolgreicher sei mal dahingestellt.

Fazit der Metzgete im Gasthof Falken

Im Metzgete Menü für CHF 45.– waren zwei der besagten Teller plus die aufgezählten Ergänzungen nach Wahl inbegriffen. Sicherlich nicht die günstigste Metzgete, in Punkto Angebot und Qualität ist die Metzgete im Gasthof Falken aber absolut fair.

Begeistert hat mich das breite Angebot sowie die Kombination von traditionellen, ursprünglichen Zubereitungen und den bewusst gesetzten, moderneren Interpretationen. Ebenfalls gefiel mir die Atmosphäre und das aufmerksame Servicepersonal sehr.

Vereinzelt war etwas zu trocken geraten und leider war die Blutwurst eher durchschnittlich. Aber wer die Metzgete im Falken besucht ist sowieso besser beraten, sich einmal durch alles zu probieren. Das lohnt sich auf jeden Fall!

Datum der Metzgete: 05.11.2021
https://www.falken-wiedikon.ch/

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