Schlachtfest beim nördlichen Nachbarn

Schlachtfest beim nördlichen Nachbarn

20. Februar 2018 0 Von Yana

Metzgete auf baden-württembergische Art

Aus purer Neugierde und zur Horizonterweiterung habe ich mich auf die Suche nach einer Metzgete in Deutschland begeben. Scheinbar gibt es bei unseren nördlichen Nachbarn zwar auch Schlachtfeste, aber die Umsetzung ist regional sehr unterschiedlich und sie werden recht spärlich online beworben.

Vielleicht liegt es daran, dass die Hauptschlachtzeit auch in Deutschland traditionell der Herbst ist, jedenfalls finde ich tatsächlich nur ein Restaurant bei Dossenheim im nordwestlichen Baden-Württemberg, welches an einem gangbaren Datum ein Schlachtfest anbietet. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Höhengaststätte auf einem kleinen Berg, mitten im Odenwald. Auf Grund der vielen Schlaglöcher gestaltet sich die Hinfahrt sehr abenteuerlich, aber immerhin ist die Strasse geteert und uns erwartet ein weitläufiger Parkplatz beim Restaurant.

Für einen Samstagnachmittag ist die Höhengaststätte sehr gut besucht, das Schlachtfestangebot findet insbesondere bei betagten Gästen grossen Anklang. Das ausgesprochen freundliche Personal lotst uns am Schlachtbuffet vorbei durch mehrere unterschiedlich dekorierte Räume zu unserem Tisch: Wir speisen im Jägersaal.

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Jägersaal in der Höhengaststätte zum Weissen Stein, Dossenheim BW

Das Buffet ist eröffnet!

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Vorspeisensuppe in der Höhengaststätte zum Weissen Stein, Dossenheim BW

Beginnen wir doch gleich mit einer Suppe, die kleine Blutwurst- und Nudelstückchen enthält und uns mit der dezenten Zimt-/Nelkennote gut schmeckt. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass Blutprodukte so oft und gerne mit diesen Gewürzen angereichert werden, und dies über riesige Distanzen. Diese Kombi muss im Mittelalter ein richtiger Kassenschlager gewesen sein!

 

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Runde 1: Bratwurst, „Bauch“, „Wellfleisch“ sowie Sauerkraut und Kartoffelstock in der Höhengaststätte zum Weissen Stein, Dossenheim BW

Nachfolgend genehmige ich mir „Bauch“, „Wellfleisch“, Bratwurst sowie Sauerkraut und Kartoffelstock. Die beiden Fleische werden im Wasser gegart und warmgehalten und sind mir schlicht zu fad und langweilig. Konsistenz und Saft stimmen zwar, aber ich vermisse den Rauch und die Würze, welche die Schweizer Äquivalente im Normalfall aufweisen. Auf „Schnuffel“, die niedliche Bezeichnung für Schnörrli, habe ich bewusst verzichtet, lasse mir aber sagen, dass ich nichts Spektakuläres verpasse.

Auch die Bratwurst ist zu wenig deftig und grobkörnig, wie es mir auch meine deutsche Begleitung bestätigt. Das Sauerkraut ist gar, was gut ist, aber es schmeckt wie direkt aus der Packung. Ein paar Nelken, Wacholder oder Kümmel, zusammen mit einem Schuss Weisswein oder Most hätten umgehend Raffinesse hinzugefügt. So dominiert die Säure ohne weitere Aromen. Beim Kartoffelstock ist die Konsistenz verunglückt, er fliesst uns fast von der Gabel, jedoch gefällt der buttrige Geschmack.

Herzstück des Schlachtfests?

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Runde 2: Blut- und Leberwurst, Leberknödel, Haxe und nochmal Sauerkraut und Kartoffelstock in der Höhengaststätte zum Weissen Stein, Dossenheim BW

Bei uns sind ja die Blut- und Leberwurst das Herzstück einer Metzgete, jetzt finde ich heraus, ob das beim deutschen Schlachtfest auch der Fall ist. Wie schon beim letzten Versuch haben die beiden Würste eine völlig andere Konsistenz als bei uns. Die Leberwurst hat sowohl grobe Stücke, wie bei uns, als auch einen viel schmelzigeren Anteil, der an Leberterrine oder Foie Gras erinnert. Mir gefällt das ausgesprochen gut!

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Blutwurst mit Stückchen – Höhengaststätte zum Weissen Stein, Dossenheim BW

Die Blutwurst enthält grössere Speck- und Schwartenstücke, was natürlich viel Geschmack gibt, oder sagen wir geben sollte, denn die Ausführung auf meinem Teller ist leider etwas fade und man schmeckt kaum andere Aromen heraus.

Der Leberknödel kommt aus dem Wasser und beinhaltet extrem wenig Leber, dafür mehr Knödel in Form von Brot/Paniermehl, was auch den gar süssen Nachgeschmack erklärt. Definitiv nichts für meinen Gaumen, nach zwei Gabeln muss ich abbrechen.

Zu dem kleinen Stück Haxe kann ich nicht viel mehr berichten, das scheint mir von allen Speisen noch am ehesten der Zubereitungsart in der Schweiz zu ähneln, aber es schmeckt einfach ein bisschen „ausgewaschen“. Diesmal ist der Kartoffelstock aber dick, üppig, buttrig, einfach perfekt, so hätte er von Anfang an sein sollen, dann hätte ich mich nicht an der schlechteren Variante überessen. Denn obwohl die zwei Teller nicht nach besonders viel aussehen, bin ich pappsatt! Ob das an der Uhrzeit oder dem vielen Fett liegt, kann ich nicht sagen.

Fazit: Sattwerden zu einem sehr niedrigen Preis (13.50 €!), dieses Ziel erreicht man in der Höhengaststätte zum Weissen Stein bravourös. Trotz des rustikal-heimeligen und speziellen Ambientes in den unterschiedlichen Sälen und der liebenswürdigen, geduldigen Servicemitarbeiterinnen empfinde ich das Essen eher als lieblos und plump. Dies sagt übrigens nicht nur mein helvetischer Metzgete-Liebhaber-Gaumen, sondern meine germanische Begleitung nennt das Ganze schlicht „Massenabfertigung“.

 Meine Bewertung

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Qualität: Metzgete BewertungMetzgete Bewertung
Service/Atmosphäre: Metzgete BewertungMetzgete BewertungMetzgete BewertungMetzgete Bewertung
Preis/Leistung: Metzgete BewertungMetzgete BewertungMetzgete BewertungMetzgete Bewertung
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www.zum-weissen-stein.eu
Datum: 13.01.2018